Professorin Jutta Allmendinger im Interview

3 Fragen, 3 Antworten Professorin Jutta Allmendinger im Interview

Professorin Jutta Allmendinger hat in diesem Jahr den Vorsitz im G7 Gender Equality Advisory Council (GEAC) inne. Was ihr wichtig ist und wie sie sich gute Gleichstellungspolitik vorstellt, skizziert sie im Kurzinterview.

Gespräch mit Jutta Allmendinger zu Beginn der sechsten Arbeitssitzung des G7-Gipfels.

Jutta Allmendinger

Foto: Bundesregierung/Kugler

Warum brauchen wir einen G7 Gender Equality Advisory Council (GEAC)?

Professorin Jutta Allmendinger: Gleichstellung ist nicht nur ein nationales Thema. Sie betrifft alle wichtigen globalen Themen und Entwicklungen und muss deshalb auch international gedacht werden. Als zentrales multilaterales Gremium ist die G7 der richtige Ort dafür.

Welche Schwerpunkte setzen Sie für den GEAC dieses Jahr?

Allmendinger: Wir werden sieben thematische Schwerpunkte im GEAC bearbeiten: Finanzierung, Investitionen und Ownership, Pflegewirtschaft, Feministische Diplomatie, Krisen und ihre geschlechtsspezifischen Auswirkungen sowie intersektionales Bewusstsein.

Warum genau diese Schwerpunkte?

Allmendinger: Die GEACs der kanadischen, französischen und britischen G7-Präsidentschaften haben eine umfassende Bestandsaufnahme der internationalen Gleichstellung vorgenommen. Darauf bauen wir auf. Uns ist wichtig, die Arbeit jenen Problemen zu widmen, die einerseits von früheren GEACs nicht vertieft behandelt werden konnten und andererseits seitdem noch einmal besonders dringlich geworden sind. Zudem werden wir das vom britischen GEAC geforderte und nun entwickelte G7 Dashboard zur Umsetzung von Gleichstellungsmaßnahmen auf internationaler Bühne vorstellen.

Die Soziologin Prof. Dr. hc. Jutta Allmendinger, Ph.D., ist Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB), Professorin für Bildungssoziologie und Arbeitsmarktforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin sowie Honorarprofessorin für Soziologie an der Freien Universität Berlin. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören Aspekte von Arbeitsmarkt, Sozialpolitik und sozialer Ungleichheit. Außerdem beschäftigt sie sich mit der Soziologie des Lebensverlaufs. Dabei stehen Fragen der Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern, sowohl auf dem Arbeitsmarkt als auch innerhalb der Familie, im Fokus ihrer Arbeit.

Allmendinger ist Mitglied im Herausgeberrat der ZEIT und Autorin zahlreicher Bücher, darunter „Es geht nur gemeinsam! Wie wir endlich Geschlechtergerechtigkeit erreichen“ (2021). Für ihre Arbeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland. 2021 wurde sie während der britischen G7-Präsidentschaft als deutsches Mitglied in den G7-Gleichstellungsbeirat (G7 Gender Equality Advisory Council, GEAC) berufen, dessen Vorsitz sie auf Einladung von Bundeskanzler Olaf Scholz in diesem Jahr innehat. Das Gremium wird auch 2022 Empfehlungen zur Stärkung der Gleichstellung der Geschlechter erarbeiten.